Gachiakuta: Anime-Team berichtet von Hürden bei Verhandlungen mit Übersee-Lizenznehmern
Hirooki Iwanami, der maßgeblich an der Promotion des Gachiakuta-Anime beteiligt ist, gab Schwierigkeiten bei den Verhandlungen mit internationalen Lizenznehmern preis. Er schilderte, dass sein Team die Promotion bereits vor der Premiere priorisieren und individuell auf die jeweiligen Regionen zuschneiden wollte. Die Übersee-Lizenznehmer bevorzugten hingegen eine „Abwarten-und-Tee-trinken“-Strategie und wollten erst werben, wenn eine Fan-Reaktion messbar war. Laut Iwanami waren schwierige Verhandlungen nötig, um diese Kluft zu überwinden:
Der Konflikt: „Vertical Launch“ vs. Abwarten
„In einem Kommunikationsplan für einen Anime ist die Frage entscheidend: ‚Wie erzeugen wir direkt zu Beginn (mit der Premiere von Episode 1) Hype?‘ Deshalb haben wir uns, selbst als wir die Übersee-Promotion übernahmen, einem ‚Vertical Launch‘ (einem massiven Raketenstart zum Release) verschrieben. Schließlich liegt der Schlüssel darin, wie viele Leute Episode 1 sehen und wie viel Buzz wir zu diesem Zeitpunkt generieren können.“
Iwanami bemerkte jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen dem japanischen Produktionskomitee/Promotion-Team und den internationalen Partnern:
„Im Gegensatz zu uns, die den Fokus auf den Vertical Launch legen, warten Übersee-Lizenznehmer typischerweise ab, bis der Anime ausgestrahlt wird. Sie prüfen die Fan-Reaktionen, bevor sie die Kommunikation schrittweise hochfahren. Das machte die Verhandlungen schwierig und erforderte zahlreiche Meetings, um diese Lücke zu schließen.“
Yuria Amano (Kodansha, Übersee-Lizenzierung) fügte hinzu: „Wir haben diesen Punkt wirklich sehr ausführlich diskutiert. Das könnte ein entscheidender Wendepunkt gewesen sein.“
Unterschiedliche Strategien auf X (ehemals Twitter)
Gachiakuta wurde von Medialink (Asien) und Crunchyroll (weltweit, exklusive einiger Länder) lizenziert. Gemeinsam nahmen sie an der globalen Kampagne „Gachiakuta World Takeover“ teil. Iwanami dankte Crunchyroll und Medialink ausdrücklich für ihre „unverzichtbare Kooperation“.
Dennoch zeigten sich die unterschiedlichen Ansätze deutlich auf Social Media. Es gibt zwei offizielle, englischsprachige Accounts:
- Crunchyroll-Account: Vollständig auf Englisch.
- Kodansha-Account: Global ausgerichtet, größtenteils Englisch.
Der von Kodansha verwaltete Account veröffentlichte im Vorfeld und am Tag der Ausstrahlung mehr Posts als der Crunchyroll-Account seit seiner Erstellung insgesamt (etwa 24 zu 21 Posts, wenn man nur rein englische Inhalte zählt). Kodansha feuerte in den Monaten vor der Premiere hunderte Posts ab, während Crunchyroll deutlich zurückhaltender agierte.
Die Netflix-Taktik: Daten vor Hype
Auch Netflix verfolgt eine Strategie, bei der erst gewartet wird, bis die Nachfrage eine ernsthafte Promotion rechtfertigt. Kim Minyoung (VP Netflix) und Yuji Yamano (Director of Content) erklärten letztes Jahr gegenüber Nikkei XTrend, dass man bei Titeln wie Sakamoto Days zwar auf Japan und die USA setzte, andere Märkte aber erst nach dem Check der „Sekunde-für-Sekunde“-Daten verstärkte:
„Wir haben zum Beispiel in Indonesien die Promotion für Sakamoto Days erst hochgefahren, nachdem wir das tatsächliche Zuschauerwachstum gesehen hatten.“
Diese Strategie wird oft kritisiert. Justin Leach (Produzent von Leviathan) bemängelte etwa, dass Studios die Möglichkeit haben sollten, Titel unabhängig zu vermarkten, wenn sie nicht zum Kernsortiment eines Streamers in einer bestimmten Region gehören.
Der Erfolg gibt dem Team recht
Trotz der Reibereien zahlte sich die aggressive Strategie für Gachiakuta aus. Im Oktober gab der von Kodansha verwaltete Account bekannt, dass Gachiakuta der meistgesehene Crunchyroll-Anime der Sommer-Saison 2025 war – ein Erfolg, der nun auch im neuen Dentsu-Bericht bestätigt wird.
Staffel 2 sowie weitere Projekte wurden bereits angekündigt.
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Es ist spannend zu sehen, wie die japanischen Produzenten hier aktiv in Vorleistung gehen, während die westlichen Streamer eher auf Algorithmen vertrauen.

